Musik in Zeiten der Pandemie

Der Tenor Bernhard Hirtreiter und seine Frau, die Sängerin Beata Marti, hatten  für den Sommer einiges vor. Ein Höhepunkt sollte die „Serenata Italiana“ auf der Burg Trausnitz werden. Doch dann kam Corona, schickte alle Pläne in die unbestimmte Quarantäne und das Musikerpaar in die unfreiwillige Auszeit.
Obwohl wie alle Kulturschaffenden von der Politik kaum beachtet und wenig unterstützt, trotzt der Musiker der Pandemie-Depression und plant einen Konzertsommer mit Hygienekonzept und Abstandsregeln im Innenhof des LANDSHUTmuseums. 
Aber kann „O Sole mio“ mit Mundschutz funktionieren? „Keine Angst“, beruhigt der Sänger. Wir werden ganz normal singen“. Aber vieles wird anders werden, sich anders anfühlen. Ob auch alles gut wird, verrät er im Gespräch.
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Das Interview

Herr Hirtreiter, wie geht’s?
Tja, gute Frage in wirren Zeiten. Medizinisch gesehen, kann ich Sie beruhigen. Mir geht es gut, keine besorgniserregenden Symptome. Ansonsten bin ich nach dem erzwungenen Stillstand froh, wieder mit konkreten Planungen beginnen zu können. Die Kultur scheint bei der Liste der Subventionen, Hilfen und Lockerungen an letzter Stelle zu kommen. Aber wir sind halt nicht die Lufthansa oder der FC Bayern sondern „nur“ ein Teil vom Kulturbetrieb. Dieser Zustand macht einen schon nachdenklich, gerade weil Bayern eigentlich in der Verfassung den „Kulturstaat“ festgeschrieben hat. Da hätte man sich in der Krise einen anderen Umgang gewünscht…

Heißt?
Heißt konkret, dass die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen freiberuflich tätig sind. Wenn Veranstaltungen nicht stattfinden, haben sie kein Einkommen. Und die vielfach und medienwirksam propagierten Künstlerhilfen sind unzureichend beziehungsweise greifen nicht. Die Pandemie hat viele von uns an den Rand der Existenz gebracht.

Aber jetzt melden Sie sich mit einem eigenen krisentauglichen Veranstaltungskonzept zurück?
Wir haben die „Serenaden-Konzerte“ im Innenhof des LANDSHUTmuseums (Alter Franziskanerplatz 483) mit großer Unterstützung des Freundeskreises LANDSHUTmuseum entwickelt. Hier können wir in kleinem, exklusiven Rahmen verschiedene eigene Programme, wie die „Serenata Piccola“ oder den "Operettencocktail“, präsentieren. Aber auch befreundete Musiker wie der Tenor Arpad Vulkan mit seinem Quartett,  eine Soulsängerin, ein klassisches Klaviertrio oder „De Bavarian Immigrants“ werden auftreten. Das genaue Programm mit allen Informationen wird dann rechtzeitig auf meiner Homepage (www.bernhard-hirtreiter.de) veröffentlicht.

Klein und exklusiv hört sich nach teuer und edel an.
Edel ja, aber teuer nicht. Wir können pro Veranstaltung vorab nur 50 Karten verkaufen, damit wir bei schlechtem Wetter die momentan offiziell genehmigte  Höchstzahl des Ausweichquartiers im KÖNIGmuseum nicht überschreiten. Sollte das Wetter gut sein, gibt es noch einmal 25 Karten an der Abendkasse. Die normale Karte wird 25 Euro kosten, die ermäßigte 20 Euro. Also eigentlich im üblichen Rahmen. Allerdings wird es die Karten nur über eine Hotline (0163 / 980 1428) oder per Email-Anfrage (kontakt@bernhard-hirtreiter.de)  geben und sie müssen dann an der Abendkasse abgeholt werden. Unsere zusätzlichen Auflagen erfordern zwar einen enormen finanziellen Aufwand, trotzdem werden wir versuchen, dass auch unsere musikalischen Gäste auf ihre Kosten kommen.

Stichwort Corona-bedingte Auflagen. Welche Beschränkungen gibt es noch?
In Absprache mit den Behörden haben wir ein Hygienekonzept entwickelt um einen größtmöglichen Schutz für die Besucherinnen und Besucher zu gewährleisten. Da geht es zum Beispiel um die Desinfektion sämtlicher Kontaktflächen, Mundschutz für das Personals und natürlich um den Mindestabstand der Bestuhlung. Die Besucherinnen und Besucher können ihren Mundschutz am Platz allerdings ablegen. Auch darf das Publikum sich eigene Getränke mitbringen, da wir ja leider heuer keine ausschenken dürfen.

Klingt aufwändig
Ist es auch. Aber der Schutz geht vor. Es wird darauf geachtet, dass ein geordneter Ein- und Ausgang der Besucher durch ein Wegekonzept gewährleistet ist, damit es nicht zu unerwünschten Ansammlungen ohne Mindestabstand kommt. Wir gehen davon aus, dass Personen mit Erkältungs-Symptomen so verantwortungsvoll sind, die Veranstaltungen gar nicht erst zu besuchen.
Der Sitzplan wird so gestaltet, dass Personen, die zusammengehören auch zusammen sitzen können. Zwischen allen anderen gilt ebenfalls der Mindestabstand. Auch werden wir mehr Personal für die Platzanweisung einplanen.

Kann denn da überhaupt die richtige Stimmung aufkommen?
Ich bin mir sehr sicher, sobald diese kleinen Hürden genommen sind und die ersten Takte erklingen, sind Abstand und Mundschutz vergessen. Mit der Macht der Musik können wir uns überall hinträumen. Wir haben eine gute Stunde Zeit die Zuhörer zu entführen und zu verzaubern und dies ohne Pause. Und wenn es uns gelungen ist, spielen wir herzlich gerne noch die ein oder andere Zugabe.. 

Das LANDSHUTmuseums (Alter Franziskanerplatz 483): Hier finden im Innenhof die Serenaden-Konzerte statt.